Der Führerschein fürs Wohmobil – diese Regeln solltest Du kennen

Das Traum-Wohnmobil ist gefunden, der perfekte Wohnwagen steht bereit und Du möchtest am liebsten sofort losfahren? Achtung: Bevor Du zu einem Gefährt in einen unvergesslichen Urlaub starten kannst, solltest Du die gesetzlichen Vorgaben rund um die Fahrerlaubnis kennen. Wer darf mit welchem Fahrzeug losziehen und welchen Zusatzführerschein musst Du gegebenenfalls noch erwerben, um endlich mit Deinem Wunschfahrzug gen Süden zu steuern? In den letzten Jahren haben neue Vorschriften die Orientierung im Führerscheinklassen-Dschungel nicht gerade leichter gemacht. Wir erklären, mit welcher Fahrerlaubnis Du ordnungsgemäß unterwegs bist und welche Prüfung gegebenenfalls sinnvoll ist.

Die zwei Orientierungspfeiler für die Frage nach dem nötigen Wohnmobil Führerschein

Gesamtgewicht des Wohnmobils und Alter beim Führerscheinerwerb – auf den Punkt gebracht sind es genau diese beiden Kriterien, die über die nötige Führerscheinklasse entscheiden. Einen speziellen Wohnmobil Führerschein gibt es in der EU nämlich nicht. Stattdessen entscheiden das Gewicht Deines Gespanns und das Ausstellungsdatum Deines Führerschein darüber, welche Fahrzeuge Du fahren darfst.

Unter diesen Voraussetzungen kannst Du sofort entspannt losfahren

Grundsätzlich musst Du Dir wenig Gedanken über Deine Fahrerlaubnis machen, wenn einer oder beide der folgenden Fälle auf Dich zutrifft:
– Das Gesamtgewicht Deines Wohnmobils oder Zugfahrzeugs plus Wohnwagen liegt unter 3,5 t. Egal wann Du Deinen Führerschein gemacht hast, mit der Fahrerlaubnis für PKW erwirbst Du automatisch die Berechtigung, Fahrzeug bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 t zu fahren. Liegt Dein Gefährt nicht darüber, kannst Du bedenkenlos in die Ferien starten.
– Du hast Deine Fahrerlaubnis vor 1999 erhalten. Als stolzer Besitzer eines „roten Lappens“ hast Du die alte Fahrerlaubnis Klasse 3. Sie erlaubt Dir das Führen von Fahrzeugen bis zu einem Gesammtgewicht von 7,5 t. Bei Gespannen mit Anhänger darfst Du bis zu Deinem 50. Lebensjahr sogar 18,5 t bewegen. Danach sinkt diese Zahl auf 12 t, wenn Du Dir keinen neue Fahrerlaubnis plus die Erweiterung CE79 ausstellen lässt. Diese Bedingungen erfüllen Du und Dein Fahrzeug? Dann kann es losgehen!

Führerschein nach 1999? Diese Regelungen gelten für Dich

Du hast Deine Führerscheinprüfung im ganz gewöhnlichen PKW nach 1999 absolviert? Dann gehörst Du zu den stolzen Besitzern eines EU-Führerscheins im Scheckkartenformat. Mit dieser Fahrerlaubnis darfst Du generell Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 t inklusive angehängtem Wohnwagen ziehen. Wiegt Dein Fahrzeug alleine schon 3,5 t, ist als einzige Ausnahme ein 750 kg schwerer Anhänger erlaubt. Wichtig: Maßgeblich für die Berechnung des Gesamtgewichts ist nicht das tatsächliche Gewicht, sondern die Angaben, die im Fahrzeugschein des Zugfahrzeugs und Anhängers stehen. Mit einem gewöhnlichen Wohnmobil musst Du Dir auf der Basis dieser Regelungen kaum Gedanken machen. In der Regel überschreitet das Gesamtgewicht die 3,5 t nicht.

Unterwegs mit mehr als 3,5 Tonnen? Diese Führerscheinklasse brauchst Du

Je nachdem, wie viel Gewicht Dein Gespann auf die Waage bringt, benötigst Du unterschiedliche Führerscheine für eine gesetzeskonforme Fahrt. Hier der Überblick vom leichtesten Fahrzeug bis zum schwersten:

Führerscheinklasse B96

Am wenigsten Aufwand und Kosten bringt die Führerscheinerweiterung B96 mit sich. Dieses Dokument ermöglicht Dir die Fahrt mit Fahrzeugen bis zu einem Gewicht von 4,25 Tonnen. Um diese Fahrerlaubnis zu erwerben, musst Du lediglich an einer eintägigen Schulung teilnehmen und die Kosten dafür bezahlen. Eine theoretische oder praktische Prüfung gibt es nicht.

Führerscheinklasse BE

Diese Fahrerlaubnis ist der Klassiker für alle Fahrzeughalter, die regelmäßig mit größerem Anhänger unterwegs sind. Er gilt daher auch als inoffizieller Wohnmobil Führerschein. Die Fahrerlaubnis berechtigt Dich zur Fahrt mit einem bis zu 3,5 Tonnen schwerem Zugfahrzeug und einem maximal ebenso schweren angehängten Wohnwagen. Insgesamt darfst Du dementsprechend maximal 7000 kg bewegen. Um diesen Führerscheinklasse zu erwerben, musst Du einige praktische Fahrstunden absolvieren und in der Fahrschule auch eine Prüfung ablegen. Die Kosten für die Fahrerlaubnis der Klasse BE liegen bei mehreren hundert Euro.

Führerscheinklasse C1

Möchtest Du mit einem besonders schweren Wohnmobil ins Camping-Abenteuer starten, ist diese Führerscheinklasse die richtige für Dich. Dein Mobile darf bei dieser Fahrerlaubnis bis zu 7,5 Tonnen wiegen. Zusätzlich kannst Du 750 kg hinter die Anhängerkupplung setzen. Wichtig: Die 7000-kg-Gesamtgewicht-Grenze der BE-Klasse bleibt allerdings bestehen.
Der Weg zur Führerscheinklasse C1 gestaltet sich schließlich erheblich aufwändiger als der zu den vorherigen. Bevor Du mit dem obligatorischen Theorie- und Praxisunterricht starten kannst, musst Du Dich einem gesundheitlichen Eignungstest unterziehen. Am Ende Deiner Ausbildung warten eine theoretische und eine praktische Prüfung auf Dich. Diese Fahrerlaubnis gilt zudem nach der neusten Gesetzesänderung nur noch für 5 Jahre. Nach einer Gesundheits- und Augenuntersuchung kannst Du sie um den gleichen Zeitraum verlängern.

Führerscheinklasse C1E

Überschreitet Deine Kombination die 7000-kg-Grenze, wird die Führerscheinklasse C1E für Dich interessant. Mit dieser Fahrerlaubnis darfst Du bis zu 12000 kg schwere Gespanne fahren und kannst auch Kombinationen aus einem Wohnwagen über 3,5 Tonnen und einem mindestens ebenso schweren Zugfahrzeug bewegen.
Der Führerscheinerwerb ist bei dieser Klasse wieder an einige Voraussetzungen geknüpft. Du kannst ihn zunächst nur bekommen, wenn Du zuvor die C1-Prüfung bestanden hast und zudem über 21 Jahre alt bist. Auch um einen Gesundheitstest inklusive augenärztlicher Untersuchung kommst Du nicht herum. Um die Fahrerlaubnis CE1 zu erhalten, musst Du nun einige praktische Fahrstunden absolvieren. Da der theoretische Teil entfällt, sind die Kosten vergleichsweise gering. Die Fahrerlaubnis CE1 gilt seit neustem wiederum nur für 5 Jahre. Danach musst Du Dich einem erneuten gesundheitlichen Check unterziehen.

Führerscheinklasse C

Bei dieser Fahrerlaubnis handelt es sich um den klassischen LKW-Führerschein. Nennst Du ein Wohnmobil über 7,5 Tonnen Dein Eigen, musst Du Dich der entsprechenden Prüfung stellen. Genau wie bei den anderen C-Klassen kommt auch bei dieser Fahrerlaubnis zunächst eine Eignungsprüfung auf Dich zu. Anschließend musst Du Theorie- und Praxisstunden nehmen und Dein Können schließlich bei einem theoretischen und praktischen Prüfungsteil unter Beweis stellen. Die Fahrerlaubnis Klasse C ist zudem auf 5 Jahre befristet. Danach ist eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich.

Führerscheinklasse CE

Dein Zugfahrzeug wiegt über 7,5 Tonnen und Du möchtest zusätzlich noch einen Wohnwagen mit mehr als 750 kg ziehen? Für ein solches Gespann brauchst Du den Zusatzführerschein der Klasse CE. Dieser LKW-Führerschein hat praktisch keine Beschränkungen. Um ihn zu bekommen, musst Du wieder Deinen Gesundheitszustand testen, die Fahrschule besuchen und später eine theoretische und praktische Prüfung ablegen. Die Fahrerlaubnis ist zudem ebenfalls auf 5 Jahre befristet.

Und wenn ich meine alte Fahrerlaubnis umschreiben lasse?

Ab 2033 ist dieser Wechsel Pflicht. Im Vergleich zur modernen Fahrerlaubnis der Klasse B kannst Du aber weiterhin wesentlich schwerere Fahrzeuge und Kombinationen fahren. Beim Austausch erhältst Du eine Fahrerlaubnis für die Führerscheinklassen B, BE, C1, C1E, M und L. Was hinter diesen einzelnen Klassen steckt, erfährst Du in den oberen Abschnitten. Für Dich als Camper interessant ist zusammengefasst die Fahrerlaubnis für Fahrzeuge bis 7 Tonnen und Kombinationen mit bis zu 12 Tonnen Gesamtgewicht.

Fazit: Gute und sichere Fahrt mit der passenden Fahrerlaubnis

Spielst Du mit dem Gedanken, einen Wohnwagen,- mobil oder Ziehfahrzeug zu kaufen, solltest Du Dein Augenmerk frühzeitig auf das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge richten. Die Angabe dazu findest Du im Fahrzeugschein. Überschreitet Dein Wunschfahrzeug die Gewichtsgrenze von 3,5 Tonnen, die Du mit der klassischen PKW-Führerscheinklasse B fahren darfst, musst Du abwägen: Lohnt der Aufwand für den Zusatzführerschein oder solltest Du Dich nach Alternativmodellen umsehen? Je höher der Buchstabe der Fahrerlaubnis, desto größer der finanzielle und zeitliche Aufwand. Fest steht: Fahrspaß und Campingvergnügen hängen nicht von der Fahrerlaubnis ab – doch sie ist Voraussetzung für Deine sichere und entspannte Reise. Mit der richtigen Erlaubnis steuerst Du Dein Gespann sicher seinem Ziel entgegen.

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