Hip, komfortabel oder doch pragmatisch – Welcher Wohnmobiltyp passt zu mir?

Für viele ist es ein alter Traum: Rein ins Wohnmobil und dann um die ganze Welt reisen. Und auch, wenn die ganze Welt am Ende nur aus Europa, Deutschland oder einer Fahrt ans Meer besteht – der Drang dabei ist immer derselbe. Es ist der Drang nach Freiheit und nach Abenteuer. Dabei ist es auch egal, ob es nun um Aussteiger und Dauer-Traveler geht, die tatsächlich die ganze Welt bereisen, um den Rentner, der sich nun eine ausgiebige Deutschland-Tour gönnt, um die Familie, die in den Ferien an die Nordsee fahren will oder um einen wilden Wochenend-Trip der jüngeren Generation. Das Wohnmobil vermittelt immer ein ganz bestimmtes Gefühl von Freiheit, denn es bietet einem etwas ganz Entscheidendes: Autarkie.

Du bist unabhängig, du hast alles was du brauchst in deinem Camper und genießt das Leben. Beim Camping geht es immer ein Stück weit um Freiheit. Deswegen erfreuen sich Wohnmobile so großer Beliebtheit und deswegen gibt es auch ein mitunter doch recht unübersichtliches Angebot an Wohnmobiltypen. Da kann einem der Überblick durchaus mal entgleiten und zwar völlig egal, ob man ein Wohnmobil kaufen oder nur mieten möchte. Im Folgenden, werden wir dir einen Überblick über die wichtigsten Wohnmobiltypen verschaffen und helfen, herauszufinden, welcher Wohnmobiltyp zu dir passt.

Grundsätzliches

Zunächst einmal ist es natürlich wichtig, ob du ein Wohnmobil kaufen oder mieten möchtest. Falls du eines mieten willst, dann vermutlich für einen bereits geplanten Urlaub, also sprich: Du hast konkrete Vorstellungen davon, wo du wie und warum hin willst. Das macht die Sache natürlich leichter und du kannst dir einfach die gleich aufgeführten Vorteile und Nachteile der verschiedenen Wohnmobiltypen anschauen. Wenn du hingegen ein Wohnmobil kaufen willst, hängt die Wahl noch mal viel stärker vom vorhandenen Budget ab.
Eine andere Sache ist dein Führerschein. Der Polizei ist es recht egal, ob du das Wohnmobil, das du gar nicht fahren darfst, nun gekauft oder gemietet hast. Vorausgesetzt natürlich, sie steigt selbst durch bei dem Führerschein-Dschungel. Denn, wie es bei solchen Dingen ganz gerne mal der Fall ist: es ist kompliziert.
Maßgeblich ist dabei, wann der Führerschein gemacht worden ist, sowie das Gesamtgewicht des Fahrzeuges. Bis zu 3,5 Tonnen kannst du ganz legal mit einem normalen Führerschein bewegen. Diesen Punkt solltest du auf jeden Fall auf dem Schirm haben. Nun aber zu den fünf populärsten Typen an Wohnmobilen.

Campingbus T3
Campingbus, Detectandpreserve, VW T3 Caravelle syncro 1984-1992 sideleft 2008-08-16 A, CC BY-SA 3.0 ( Detectandpreserve, VW T3 Caravelle syncro 1984-1992 sideleft 2008-08-16 A, CC BY-SA 3.0 )

Der Campingbus – der Klassiker für jedermann

Beginnen wir beim Anfang. Die ersten Reisemobile kamen in den 1950er Jahren auf und sicherlich kennst du die verschiedenen Varianten an umgebauten VW-Bussen. Ein berühmtes Beispiel sind zudem die Campingbusse von Westfalia. Aber auch die klassischen Hippie-Fahrzeuge fallen darunter. Ein Campingbus ist quasi das kleinste Wohnmobil und bietet entsprechend wenig Platz. Allerdings braucht es auch entsprechend wenig Platz, sodass er verkehrstechnisch praktisch völlig unkompliziert ist. Natürlich ist der Klassiker nun nicht wirklich für jedermann etwas, sondern vor allem für Minimalisten und jüngere Leute. Auch für junge Paare kann er ideal sein. Seine hohe Beliebtheit verdankt er wohl seiner Unkompliziertheit in verkehrstechnischen Dingen und natürlich seinem Klassikerdasein selbst.

  • an Stil und Charme kaum zu überbieten, der coolste Weg zu campen
  • geringe Anschaffungskosten, unproblematisch im Verkehr, stadttauglich und alltagstauglich
  • vergleichsweise wenig Platz und Raum
  • eingeschränkte Stehmöglichkeit
  • eher etwas für den Sommer

Kastenwagen Fiat Ducato
Kastenwagen, M 93, Fiat Ducato Kastenwagen 130 Multijet (III, Facelift) – Frontansicht, 13. Juli 2014, Düsseldorf, CC BY-SA 3.0 DE (M 93, Fiat Ducato Kastenwagen 130 Multijet (III, Facelift) – Frontansicht, 13. Juli 2014, Düsseldorf, CC BY-SA 3.0 DE)

Die nächste Generation: der Kastenwagen

Campingbus und Kastenwagen werden häufig in ein und dieselbe Kategorie gepackt, da sie vom Aufbau her sehr ähnlich sind. Der entscheidende Unterschied besteht hier schlicht und ergreifend in der Größe. Der Kastenwagen ist im Grunde ein Kleintransporter, ein Sprinter etwa, der innen umgebaut worden ist. Meistens geschieht dieser Umbau individuell. Ähnlich wie bei einem Bus bietet er also individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Er ist jedoch um einiges größer und hat mehr Platz. Das wiederum ist auch sein Nachteil gegenüber den Bussen. Denn damit ist er verkehrstechnisch mitunter nicht mehr ganz so einfach zu handhaben. In Städten kann er je nach Bauweise (und Straßenenge) Schwierigkeiten mit sich bringen.

Dennoch spricht er meist ein ähnliches Klientel an. Er ist ebenso etwas für freiheitsliebende Individualisten, die auch ihr Wohnmobil individuell gestalten wollen. Nur eben mit etwas mehr Platz und Komfort. Es gibt aber natürlich auch die fertigen Varianten. Inzwischen werden dafür auch größere Transporter verwendet (mit etwa bis zu 7 Metern Länge). Je nach Modell gibt es Varianten mit einer nahezu vollen Camping-Ausstattung inklusive Toilette oder Dusche.

  • mehr Raum als im Bus und gegebenfalls auch mit Sanitäreinrichtung
  • durch Höhe und Länge teilweise nicht mehr ganz so unkompliziert im Alltagsverkehr wie der Bus
  • mit der normalen Breite sonst aber normal verkehrstauglich und immer noch mit hoher Manövrierfähigkeit
  • bietet meist ausreichend Stehhöhe
  • im Winter nur eingeschränkt zu empfehlen

Die Wohnmobile im engeren Sinne

Natürlich sind auch die beiden bisherigen Varianten Wohnmobile. Gar keine Frage. Man wohnt darin und man ist mobil. Dennoch denken die meisten Menschen, wenn von einem Wohnmobil die Rede ist, eher an einen Wohnmobiltyp der nun folgenden Art. Also an Wohnmobile im engeren Sinne. Hier lassen sich grob drei Varianten anhand ihrer Bauweise unterscheiden. Dabei geht es um die Art und Weise, wie die Fahrerkabine mit dem Wohnbereich verbunden ist oder besser: beim Wohnen verbunden wird. Das kann entweder gar nicht geschehen oder aber teilintegriert oder vollintegriert.

Alkoven
Alkoven, Stefan Wiese, Cristall A641, CC BY-SA 3.0 ( Stefan Wiese, Cristall A641, CC BY-SA 3.0 )

Der Alkoven

Äußerlich ist der Alkoven leicht zu erkennen: Mit der Wölbung über dem Fahrerhaus ist er unverwechselbar. Und tatsächlich ist auch genau das sein charakteristisches Merkmal. In dieser Wölbung über dem Fahrerhaus nämlich befindet sich eine Schlafnische (meist ein Doppelbett). Durch diese optimale Nutzung des Wohnraumes ist er vor allem bei Familien besonders beliebt. Es finden in der Regel bis zu 6, bei manchen Modellen auch bis zu 7 Personen einen Schlafplatz.

Dementsprechend viel Platz und Stauraum stellt diese Variante zur Verfügung. Deswegen ist sie auch bei kleineren Familien oder Paaren beliebt, die viel Platz für ihre Sachen benötigen. Selbst bei voller personaler Auslastung gibt es meist noch ausreichend Stauraum in Form von Hängeschränken, Heckgaragen oder sogar Doppelböden. Das Fahrerhaus ist in der Regel nicht, wie der Wohnraum, wärmegedämmt. Er kann jedoch vom Rest abgeschottet werden und somit ist dieser Wohnmobiltyp auch wintertauglich.

Durch ihre Höhe sowie der speziellen Bauweise mit der Wölbung über der Fahrerkabine brauchen sie allerdings aufgrund des höheren Luftwiderstandes viel Kraftstoff und sind gewöhnungsbedürftig im Umgang.

  • Schlafplätze für bis zu 6 Personen, perfekt für Familien
  • viel Platz und Stauraum
  • Fahrerhaus kann abgeschottet werden, wintertauglich
  • für den Fahrer gewöhnungsbedürftige Größe
  • braucht viel Kraftstoff

Teilintegriertes Wohnmobil
Teilintegriert, anonym, Teilintegriertes WoMo, CC BY-SA 3.0 ( anonym, Teilintegriertes WoMo, CC BY-SA 3.0 )

Teilintegrierte Wohnmobile

Als teilintegriert werden solche Wohnmobiltypen bezeichnet, die ein normales Fahrerhaus haben, das wiederum nur teilweise in den Wohnraum integriert ist. Diese Integration geschieht meistens in Form von drehbaren Fahrersitzen, die dann zur Sitzgruppe im Wohnraum gehören. Wichtig ist, dass diese Varianten eine originale Fahrerkabine haben.

Die Teilintegrierten gibt es in vielen Versionen und in der Regel bieten sie viel Platz und sind natürlich voll ausgestattet mit allem was man braucht. Sie sind auch für den Winter geeignet, wobei es bei dem Übergang zur Fahrerkabine zu Wärmeverlust kommt. Sie sind bis zu etwa 4 Personen geeignet und damit für Paare oder kleineren Familien möglicherweise eine gute Wahl. Im Vergleich zu dem Alkoven, der mehr Schlafplatz und Raum bietet, verbrauchen sie weniger Kraftstoff und sind angenehmer sowie vertrauter zu fahren.

  • klassische Fahrerkabine, vertrautes Fahrgefühl
  • niedriger Kraftstoffverbrauch
  • bietet viel Platz und Stauraum für bis zu 4 Personen
  • wintertauglich, aber mit Wärmeverlust bei der Fahrerkabine

Vollintegriertes Wohnmobil
Vollintegriert, Variomobil, 2016 3080 9814 VARIO Star 800 MAN TGL 8220, CC BY-SA 4.0 ( Variomobil, 2016 3080 9814 VARIO Star 800 MAN TGL 8220, CC BY-SA 4.0 )

Vollintegrierte Wohnmobile

Die vollintegrierten Wohnmobile stellen quasi das Maximum an Komfort dar. Sie haben nicht mehr das klassische Fahrerhaus, sondern bei ihnen geht die Fahrerkabine nahtlos über in den Wohnraum. Vollintegriert bezieht sich also auf das Fahrerhaus. Sie verfügen über eine riesige Frontschutzscheibe ähnlich wie bei großen Bussen. Dadurch entsteht ein hoher Wohnkomfort, die Scheibe wird quasi zum großen Panoramafenster im Wohnzimmer.

Die Vollintegrierten bieten also den besten Wohnkomfort und je nach Modell haben sie echte Luxusausstattungen. Sie sind komplett gedämmt und somit uneingeschränkt wintertauglich. Unter ihnen befinden sich auch die extravaganten Luxusmodelle mit speziellem Zubehör wie etwa dem Backofen oder der Waschmaschine.

Das alles hat jedoch seinen Preis. Und zwar nicht nur den wortwörtlichen, obgleich der Vollintegrierte tatsächlich im höheren Preissegment anzusiedeln ist. Daneben gibt es aber noch ein paar andere Nachteile. Durch die spezielle Bauart des Fahrerhauses ist der Motor oft nur schwer zugänglich und es fallen somit hohe Reparatur- und Wartungskosten an. Außerdem ist die Front auch nicht so robust und bei einem Unfall mitunter gefährlicher, als bei einem herkömmlichen Fahrerhaus. Und je nach Größe kann das Gewicht des Fahrzeuges Schwierigkeiten beim Führerschein mit sich bringen. Für manche braucht es gar einen LKW-Führerschein.

  • die Luxus-Variante mit viel Wohnkomfort
  • je nach Wunsch viele Extra-Ausstattungen möglich
  • viel Platz, für bis zu 4 Personen
  • komplette Dämmung, absolut wintertauglich
  • hoher Anschaffungspreis
  • mitunter hohe und teure Wartungsarbeiten
  • oft spezieller Führerschein nötig

Das also ist der richtige Wohnmobiltyp für mich

Wie du hoffentlich bereits gemerkt hast: Es hängt ganz maßgeblich davon ab, ob du alleine, als Paar oder aber mit der ganzen Familie unterwegs bist. Und natürlich worauf du Wert legst. Die Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Der eine freut sich über die absolute Mega-Luxus-Ausstattung, während der andere gerade die Schlichtheit genießt. Das ist zwar keineswegs eine Frage des Alters, allerdings muss man ehrlicherweise zugestehen, dass mit steigendem Alter in der Regel auch der Wunsch nach Komfort steigt. Ein umgebauter VW-Bus etwa ist eben vor allem für jüngere Menschen ideal. Mit ihnen ist man weitgehend unabhängig und frei. Man kann praktisch direkt vom Festival ans Meer fahren.

Ganz grob lässt sich also schon die Tendenz festmachen: Umso mehr Komfort du möchtest, desto mehr musst du in die Richtung der Wohnmobile im engeren Sinne gehen. Ähnliches gilt natürlich auch für die Anzahl der Personen. Möglich ist natürlich alles. Auch in einen alten VW-Bus passen zwei Eltern und zwei Kinder – ob du das aber wirklich willst, sei nun dahin gestellt. Wichtig ist dabei auch, wohin es geht und für wie lange. Bei Wochenendausflügen mit zwei Übernachtungen sind ganz andere Dinge verträglich, als bei einem zweiwöchigen Urlaub. Dazu gesellt sich Sache mit dem Fahren selbst: Nicht nur der unterschiedliche Kraftstoffverbrauch kann bei längeren Fahrten relevant werden, sondern vor allem auch die Vertrautheit des Fahrgefühls. Die zentralen Fragen wären also:

  • Mit wie vielen Personen willst du reisen?
  • Wie lange möchtest du im Wohnmobil wohnen?
  • Wie weit ist die Strecke?
  • Wie viel Komfort brauchst du?

Und natürlich noch einmal das Budget: Wie viel Geld kannst und möchtest du ausgeben? Mit der Frage erübrigen sich mitunter ja schon so manche Wohnmobiltypen – allerdings auch so manche Nachteile. Mitunter überschneiden sich die verschiedenen Typen preislich aber auch sehr überraschend.

Camping ist unglaublich vielfältig und so sind es auch die Camper. Es ist also schwierig, auch nur bestimmte Typen und Kategorien an Campern festzulegen, für die dann ein bestimmter Wohnmobiltyp passt. Besser ist es, wenn sich da jeder die oben genannten Fragen stellt und sich anhand der Vor- und Nachteile der verschiedenen Wohnmobiltypen die passendste Variante heraussucht.

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